Schließungsrisiko bei offenen Immobilienfonds aufklärungsbedürftig

In einer aktuellen Entscheidung hat das Oberlandesgericht Frankfurt die beklagte Bank zum Schadensersatz verurteilt, da sie die Anlegerin bei der Beratung und Empfehlung einer Kapitalanlage in einem offenen Immobilienfonds nicht über das Schließungsrisiko aufgeklärt hatte. Die Bank hatte die klagende Anlegerin im Zusammenhang mit dem Erwerb eines offenen Immobilienfonds im Juli 2008 nicht über das Risiko einer Aussetzung der Anteilsrücknahme gemäß § 81 InvG unterrichtet. Sie meinte, eine solche Aufklärung sei insbesondere im Jahr 2008 nicht geschuldet gewesen. Ferner sei dieses Risiko ohnehin in den Basisinformationen für Wertpapiervermögensanlagen dargestellt worden, die der Klägerin seit November 2007 vorgelegen hätten.

Das Oberlandesgericht Frankfurt hat in seinem Urteil festgestellt, dass das Risiko der Aussetzung der Anteilsrücknahme grundsätzlich ein wesentlicher Gesichtspunkt einer Anlageentscheidung sei, über den ein Anleger auch zwingend aufzuklären sei. Dabei komme es nicht darauf an, ob es sich in der Vergangenheit bei vergleichbaren Anlageprodukten realisiert hat oder nach dem Vortrag der Beklagten nur theoretischer Natur ist. Beim Aussetzungsrisiko handele es sich um ein charakteristisches Merkmal des Anlageprodukts, das ungeachtet der sich konkret im Beratungszeitpunkt abzeichnenden Relevanz darzustellen sei. Die Basisinformationen für Vermögensanlagen in Wertpapieren könnten ein unter diesem Aspekt unvollständiges Beratungsgespräch nicht heilen, weil diese Unterlagen geraume Zeit vor dem Beratungsgespräch und ohne konkreten Zusammenhang mit der streitgegenständlichen Anlageentscheidung überreicht worden seien.

Für Rückfragen oder Auskünfte zu Schadensersatzansprüchen gegen die offene Immobilienfonds vermittelnden Banken stehen Ihnen die Rechtsanwälte Prof. Dr. Sebastian Barta sowie Prof. Dr. Sebastian Geiseler-Bonse aus unserem Berliner Standort jederzeit gern zur Verfügung.